Kontinuierliche Phosphatmessung
Bedarfsgerechte Fällmitteldosierung in Echtzeit
Die Anforderungen an Betreiber kommunaler Kläranlagen, Anlagenbauer und Planungsbüros steigen mit der aktuellen EU-Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) spürbar. Strengere Grenzwerte für Stickstoff und Phosphor verlangen hochpräzise Messtechnik, effiziente Prozesse und zuverlässige Daten. Wie das in der Praxis gelingt, zeigt die Kläranlage Colditz im Landkreis Leipzig: Dort hat Veolia Wasser Deutschland gemeinsam mit dem Messtechnikspezialist Endress+Hauser ein System zur kontinuierlichen Phosphatmessung realisiert – mit CA80PH-Analysator, Netilion Cloud und digitalem Fernzugriff.
Auch die Kläranlage im sächsischen Colditz, die von der Veolia Wasser Deutschland im Auftrag des Versorgungsverbandes Grimma-Geithain betrieben wird, stand vor der Aufgabe, die Phosphatwerte zuverlässiger zu kontrollieren und dauerhaft im gesetzlichen Rahmen zu halten. Die Anlage ist auf eine Belastung von rund 5.500 Einwohnerwerten ausgelegt und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur regionalen Abwasserbehandlung. Veolia ist als Dienstleister sowohl in der Trinkwasserversorgung als auch in der Abwasseraufbereitung tätig und bringt hier langjährige Erfahrung ein.
Bislang erfolgte die Zugabe des Fällmittels – also einer Chemikalie, die gelöste Phosphate bindet und in feste Partikel umwandelt, sodass sie im Klärprozess entfernt werden können – auf Basis wöchentlicher Laboranalysen. Diese Messungen gaben zwar Hinweise für die Prozessführung, stellten jedoch lediglich Momentaufnahmen dar und konnten die natürlichen Schwankungen im Tages- oder Wochenverlauf nicht erfassen. Denn die tatsächliche Belastung des Abwassers schwankt im Laufe des Tages erheblich – je nach Zulaufmenge, Tageszeit oder industriellem Eintrag. Solche Veränderungen blieben mit der bisherigen Vorgehensweise unberücksichtigt, was in der Praxis zu großen Unsicherheiten führte. Um die Einhaltung der Grenzwerte dennoch abzusichern, musste häufig ein Sicherheitszuschlag gegeben werden, der mit einem unnötig hohen Chemikalienverbrauch einherging. Dadurch stiegen nicht nur die Betriebskosten, sondern auch das Risiko einer instabilen Prozessführung. Besonders anspruchsvoll war zudem die Situation vor Ort: In Colditz werden zwei Belebungsbecken betrieben, die sich in Füllstand und Reaktionszyklen unterscheiden. Diese Variabilität erhöhte die Komplexität zusätzlich, da die Dosierung jeweils angepasst erfolgen musste, um in beiden Becken ein stabiles Ergebnis zu erzielen.

Autor
Christian Gutknecht
Industriemanager Umwelt bei Endress+Hauser Deutschland




