EDITORIAL


Klar Schiff machen…  


… in wohl jedem Haushalt gibt es Ecken oder Schränke, in denen sich die Überreste eines Hobbys ansammeln, das wir schon längst aufgegeben haben. Auch in mancher Speisekammer finden sich regelmäßig antike Dosen oder Packungen. Beim Wiederauffinden dieser historischen Überbleibsel frage ich mich zum Beispiel: „Was habe ich mir dabei gedacht? Was mache ich jetzt damit? Hatte ich das nicht schon längst weggeworfen?“ Die Lösung lautet dann aufräumen oder entsorgen … oder ich mache die Tür wieder zu.

Früher haben auch Industriebetriebe und Gemeinden diese sprichwörtliche Tür gerne wieder zugemacht und ignoriert. Das wachsende Bewusstsein der letzten Jahrzehnte konfrontiert uns jedoch mit diesen historischen Altlasten. Aber Verunreinigungen im Boden und im Wasser müssen vor Ort bereinigt werden, wofür etablierte Methoden oft zu kostspielig, ungeeignet und nicht ausreichend sind. Aber die Zeit drängt, denn laut EU-Wasserrahmenrichtlinie sollen bis 2027 alle europäischen Gewässer einen guten ökologischen und chemischen Zustand erreicht haben. Allein in Sachsen verfehlen über 1300 Kilometer an Bächen und Flüssen dieses Ziel aufgrund der bergbaubedingten Metallbelastungen, die vom Entstehungsort flussabwärts weitertransportiert werden.  

In unserer Titelstory berichten wir über ein naturbasiertes, passives Wasserbehandlungsverfahren, das durch die TU Bergakademie Freiberg mit Partnern im Rahmen des Projekt MindMontan entwickelt wurde. Mit dieser Pilotanlage wird jetzt kontaminiertes Sickerwasser behandelt, das bis heute aus dem ehemaligen Bergbaugebiet in die Freiberger Mulde fließt. Die Reinigung erfolgt durch eine Kombination biologischer und chemischer Verfahren, wobei die Anlage kaum Wartung benötigt und mit wenig Aufwand off-grid betrieben werden kann. Die Technologie bietet eine kostengünstige und nachhaltige Lösung, die künftig auch weltweit zum Einsatz kommen könnte. 

Wir wünschen Ihnen ein interessantes Leseerlebnis!


Beste Grüße

Constanze Schmitz

Chefredakteurin