
Architektur, Ökologie und klimaresiliente Stadtentwicklung
Optigrün international AG
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Von den 3000 Quadratmeter Dachfläche wurden rund 2700 Quadratmeter als Retentionsdächer ausgeführt. Diese dienen nicht nur der Speicherung und Nutzung von Regenwasser, sondern schaffen auch grüne Aufenthaltsbereiche mit hoher Aufenthaltsqualität. Besonders hervorzuheben ist die Gestaltung der Mieterterrasse auf dem historischen Eisenbahnviadukt. Intensive Begrünung, Sitzbereiche und naturnahe Vegetation verbinden hier die industrielle Vergangenheit des Standorts mit einer grünen, lebenswerten Zukunft. Insgesamt erfüllt das Projekt die Vorgabe des Umweltamtes, mindestens 50 Prozent der Dachfläche zu begrünen − und geht in seiner Umsetzung deutlich darüber hinaus. Das Regenwassermanagement wurde dabei technisch präzise auf die örtlichen Gegebenheiten abgestimmt. Um den anfallenden Niederschlag gezielt zurückzuhalten, verdunsten zu lassen und bei Bedarf kontrolliert abzuleiten, wurden die oberen Dachflächen mit statischen Ablaufdrosseln ausgestattet. Über Kapillarbrücken gelangt das gespeicherte
Regenwasser in das darüberliegende Vlies, wo es gleichmäßig verteilt und anschließend vom Substrat aufgenommen wird. Auf diese Weise steht es der Vegetation kontinuierlich zur Verfügung. Das überschüssige Wasser fließt kaskadenartig von den einzelnen Dachflächen in den rund 30 Zentimeter starken Retentionsspeicher über dem historischen Eisenbahnviadukt. Dort sorgt die intelligent gesteuerte Drossel Smart Flow Control dafür, dass das System auf Wetterveränderungen reagieren kann. Sie erkennt bevorstehende Starkregenereignisse und reguliert den Abfluss des gespeicherten Wassers entsprechend der aktuellen Wetterprognosen und des Wasserstands in den Optigrün Retentionsboxen.
Durch dieses integrative Konzept konnte auf einen Regenwasseranschluss für die Dachflächen verzichtet werden. Das reduziert nicht nur die anfallenden Niederschlagswassergebühren, sondern entlastet gleichzeitig die städtische Kanalisation − ein Gewinn für Umwelt und Wirtschaftlichkeit. In heißen Sommermonaten stehen der Vegetation gleichermaßen große Mengen an Regenwasser zur Verfügung und die Ressource Trinkwasser kann zur Bewässerung der Pflanzen geschont werden. Die Realisierung einer derart fortschrittlichen Lösung setzt einen Auftraggeber voraus, der Kompetenz, Weitblick und Offenheit für neue Wege vereint − Eigenschaften, die in diesem Projekt entscheidend zum Erfolg beigetragen haben.
Aufgrund der besonderen Faktoren des Bauvorhabens wurde das Projekt von der Berliner Regenwasseragentur beim Wettbewerb „REGENIAL – Ihr zukunftsweisendes Schwammstadtprojekt für unsere Schwammhauptstadt“ als Sieger ausgezeichnet. Die Jury des Wettbewerbs würdigte ausdrücklich die Kombination aus Denkmalschutz, multifunktionaler Dachlandschaft und intelligenter Steuerung der Wasserrückhaltung. Ihr Urteil zeigt: Wer Zukunft gestalten will, braucht Mut zur technischen Raffinesse und ökologischen Weitblick.






