WASSERINFRASTRUKTUR



Spülverfahren für reines Trinkwasser

Rohrnetzreinigung in der Wasserversorgung

Comprex Service GmbH & Co. KG

Comprex hat in einem ersten Teilprojekt das Trinkwassernetz der Wasserversorgung Beckum von mineralischen Ablagerungen befreit. Eingesetzt wurde ein patentiertes Impulsverfahren, das nach Unternehmensangaben gegenüber einer herkömmlichen Wasserspülung bis zu zehnfach höhere Fließgeschwindigkeiten und eine deutlich höhere Lösekraft erzeugt sowie wassersparend arbeitet. Die initiale Rohrnetzspülung erfolgte von Mai bis September 2025 in Ennigerloh und im Ahlener Ortsteil Tönnishäuschen und umfasste rund 90 Kilometer.

Mineralische Ablagerungen an Rohrinnenwänden entstehen über viele Jahre durch im Wasser gelöste Mineralien und mitgeführte Partikel; Ausprägung und Auftreten variieren unter anderem mit Grundwasserqualität, Nennweiten, Rohrsystem, Beschaffenheit sowie Fließgeschwindigkeit. Steigt der Volumenstrom, können Ablagerungen mobilisiert werden. Das Wasser ist dabei zwar gesundheitlich unbedenklich, kann aber bräunlich verfärbt beim Verbraucher ankommen. In Beckum kamen für die Spülung ein Sprinter und ein Spezialanhänger zum Einsatz. Das Team bestand aus einem Comprex-Techniker und einem ortskundigen Lotsen der Wasserversorgung Beckum mit Netzkenntnissen zu Hydranten und Schiebersystemen. Die Rohrdurchmesser im Versorgungsnetz liegen zwischen 63 und 500 Millimeter. In Ortsnetzen dominieren Kunststoffe wie Polyvinylchlorid (PVC) und Polyethylen (PE); im Transportbereich sind außerdem Asbestzement, duktile Gusseisenleitungen sowie Stahl genannt.

Auf einer definierten Teilstrecke initiierte das Team am vorderen Hydranten Luft- und Wasserimpulse; das Wasser floss am hinteren Ausgang der abgeschieberten Strecke in den Ablauf. Die Spülung erfolgte etappenweise mit einer Tagesleistung von rund 1,5 Kilometer. Teilabschnitte zwischen 200 Meter und 2 Kilometer Länge wurden bearbeitet. Je nach Verunreinigungsgrad waren pro Abschnitt 20 bis 300 Spülimpulse bis zur kompletten Klärung erforderlich, die per Schauglaskontrolle festgestellt wurde; teilweise kam zusätzlich eine Fotodokumentation hinzu. „Wir überlegen, die nötigen Wartungstätigkeiten aufgesplittet zu verstetigen, statt alle zehn Jahre alles auf einmal angehen zu müssen“, erklärt Maximilian Frisch, Abteilungsleiter Wasserverteilung und Prokurist der Wasserversorgung Beckum.

Während die Fortführung des Projekts auf weiteren Teilstrecken im Jahr 2026 geplant wird, befindet sich ein Gesamtkonzept in der Ausarbeitung. Demnach steht eine regelmäßige, etappenweise Spültätigkeit für das rund 1.200 Kilometer umfassende Rohrnetz im Fokus. Frisch begründet den Ansatz auch mit der Planbarkeit: „Das macht den Aufwand für unsere konsequente Netzpflege bei gleichbleibender Belastung planbarer und lässt sich besser im Wirtschaftsplan abbilden.“ Zudem verweist er auf die steigende Herausforderung bei größeren Leitungsdurchmessern. Erste Erfahrungen mit dem Verfahren habe die Wasserversorgung Beckum bereits in den 2000er-Jahren gesammelt; „Danach hatten wir zehn Jahre Ruhe.“ Die Wasserversorgung Beckum versorgt mit rund 40 Mitarbeitern insgesamt 36.000 Hausanschlüsse sowie 135.000 direkt versorgte Einwohner und Betriebe und gibt pro Jahr 12 Millionen Kubikmeter Trinkwasser ab. Das Versorgungsgebiet umfasst mehrere Städte, Gemeinden und Ortsteile; die Netzleitungen erstrecken sich über ein Gebiet von über 1.000 Quadratmeter.